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Freiwilliges Ökologisches Jahr – Deine Chance, Tolles zu erleben

Wie du dich in Deutschland für die Umwelt engagieren kannst

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? - Mit diesem, zugegeben, etwas ausgelutschtem Sprichwort kann man ganz gut beschreiben, wie es mir mit meinem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) ging. Mein Plan nach dem Abitur - wie bei so vielen anderen: weg! Raus aus Deutschland, irgendwohin, wo’s sonnig warm ist. Doch dann kam die Absage vom Freiwilligendienst im Ausland und ein neuer Plan musste her.

Freiwilliges Soziales Jahr, der Begriff ist mittlerweile bekannt, aber ich wollte was Anderes - einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Die große Recherche nach Einsatzstellen in verschiedenen Bundesländern begann und schließlich fiel die Wahl auf meine Heimatstadt Berlin. Also gedankliche Umstellung von Stränden in Costa Rica auf ein weiteres Jahr im Hotel Mama in der lärmenden deutschen Großstadt - das klang für mich erstmal nach einem ganz schönen Downgrade. Warum mein FÖJ in Berlin jedoch eine der besten Erfahrungen in meinem bisherigen Leben sein sollte, möchte ich euch hier erzählen und vielleicht auch die Lust wecken, selbst einen ökologischen Freiwilligendienst zu absolvieren.

Wald Menschen Canva

Das musst du übers FÖJ wissen

Ich starte mit ein paar Hard Facts zum warm werden: Im FÖJ arbeiten die Freiwilligen in verschiedenen Einrichtungen, welche in den Bereichen Natur- und Umweltschutz, Umweltbildung oder auch Umweltforschung tätig sind.

In Berlin gibt es insgesamt drei Träger, welche ein FÖJ anbieten. Zum einen die Stiftung Naturschutz, für welche ich mich letztendlich entschieden habe. Außerdem noch die Vereinigung junger Freiwilliger sowie das Jugendwerk Aufbau Ost. Im Folgenden werde ich genauer auf das Freiwillige Jahr bei der Stiftung Naturschutz eingehen, da ich dort aus meiner eigenen Erfahrung sprechen kann. Diese betreut rund zwei Viertel der ca. 360 Berliner Freiwilligen und das in über 160 Einsatzstellen. Diese sind in ganz verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel in Landwirtschaft, Gartenbau oder Tierpflege, im Naturschutz, in Umweltanalytik und -technik sowie der Umweltbildung und bei Ökologischen Dienstleistern.

Das Freiwillige Jahr geht in der Regel vom 1. September bis zum 31. August. Außer dem maximalen Alter von 25 und der Erfüllung der Schulpflicht sind der Teilnahme keine Grenzen gesetzt. Welchen Schulabschluss du besitzt, ob deine Wurzeln in einer anderen Kultur oder einem anderen Land liegen, du eine Beeinträchtigung hast oder deine sexuelle Orientierung spielen keine Rolle. Was du mitbringen solltest, ist vor allem Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen und Menschen. Die Bereitschaft, dich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen sowie ein Grundinteresse an Umweltthemen sind zudem sinnvoll.

Während des FÖJs arbeitest du 39 Stunden auf freiwilliger Basis, also ohne Gehalt. Jedoch zahlt dir der Träger ein Taschengeld, welches in Berlin mit 510 Euro im Vergleich zu anderen Bundesländern etwas höher ausfällt. ;-) Die Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge übernimmt ebenfalls der Träger. Du hast 26 Urlaubstage und 25 Seminartage, wo du in einer festen Seminargruppe mit pädagogischer Betreuung an vier Seminarwochen und fünf Seminartagen teilnimmst. Außerdem profitierst du als FÖJler*in von den gleichen Vergünstigungen wie Azubis. Du hast Anspruch auf ein Azubiticket für Berlin bzw. Berlin-Brandenburg und mit deinem FÖJ-Ausweis gibt’s in vielen kulturellen Einrichtungen Rabatte.

Verena Naturschutzgebiet
Verena Testet Ein Spiel
Verena Gummistiefel
Verena Frosch

Meine Einsatzstelle im Grünen

Jetzt geht’s an Eingemachte – mein persönliches FÖJ! Dieses habe zwischen 2018 und 2019 im Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin e.V. im verwunschenen Grunewald absolviert. Das Ökowerk ist ein ehemaliges Wasserwerk und mit seinem imposanten Schornstein und den Industriecharme versprühenden roten Backsteingebäuden durchaus eine Erscheinung. Seit 1985 können Besucher dort direkt am Teufelssee Natur hautnah erleben. An einem schönen Frühlingstag quaken die Frösche in den Teichen, sonnen sich Eidechsen auf den warmen Steinmauern im Kräutergarten und summen die Bienen auf der Streuobstwiese. Wer besonders Glück hat, kann vielleicht sogar eine Ringelnatter beobachten, die sich anmutig durchs Wasser oder das Geäst schlängelt.

So wie im FÖJ hatte ich Natur vorher noch nie erlebt. Als besonders beeindruckend empfand ich, den Wechsel der Jahreszeiten erstmalig bewusst wahrzunehmen. Wenn man jeden Morgen und Nachmittag einen Waldspaziergang macht, um zur Arbeit zu gelangen, bekommt man ein völlig neues Gespür für Veränderungen in der Natur. Aber auch viele Lebewesen entdeckte ich hautnah. Vom Fuchs, der ganz gelassen über das Gelände stromert, über Molche und Kröten am Amphibienschutzzaun, bis hin zu all den kleinen Wasserlebewesen, welche sich in den Teichen und im See tummeln. Falls ihr mal ein bisschen „klugscheißern“ wollt, merkt euch den Begriff Makrozoobenthos für den nächsten Badeausflug: Der bezeichnet all die wirbellosen Tierchen, welche im flachen Uferwasser von Seen leben und noch mit bloßem Auge erkennbar sind. Wenn ihr dann auch noch einen Kescher und eine Schale als Aquarium mitnehmt, könnt ihr euch all die niedlichen Würmer, Schnecken und Käfer mal genauer anschauen – oder auch nicht, falls ihr dann die Lust zum Baden verliert. Aber denkt dran, das sind alles wichtige Lebewesen zum Erhalt des Ökosystems See!

Verena Blume
Verena Oekowerk
Verena Echsen
Verena Oekowerk Hinten

Die Arbeit im FÖJ oder: „Wie leben Filmdosen-Igel?“

Doch nicht nur mit Tieren und Pflanzen hatte ich in diesem Jahr zu tun, sondern vor allem mit Kindern, was für mich eine völlig neue Erfahrung war. Das Ökowerk bietet eine Vielzahl von Programmen für Schulklassen und Kitas an, bei deren Umsetzung und Durchführung ich geholfen habe. Ziel dieser ist es, junge Menschen für die Umwelt und deren Schutz zu sensibilisieren. Viele Kinder aus großen Städten kommen heutzutage kaum noch mit Natur in Berührung, wenn der nächste Wald mehrere Kilometer entfernt ist. Meine Begeisterung gegenüber den “Kleinen” hielt sich zuvor relativ in Grenzen. Doch auch wenn Tage dank ihnen manchmal ganz schön nervenaufreibend sein konnten, hat es mir letztendlich doch sehr viel Spaß gemacht. Damit ihr euch meinen Alltag besser vorstellen könnt, lest ihr im Folgenden eine beispielhafte Beschreibung eines meiner Arbeitstage im Winter.

Nach einer etwas längeren Anreise und einem kleinen Spaziergang vom S-Bahnhof Grunewald durch den Wald sehe ich endlich den großen Schornstein des Ökowerks durch die Bäume blitzen. Den Frühsport kann ich abhaken!

Um 8:30 Uhr treffen sich alle Mitarbeiter*innen zur Tagesbesprechung. Das Geländeteam und das Pädagogik-Team (in welchem ich arbeite) bereden gemeinsam, was an diesem Tag ansteht und worauf geachtet werden muss. Anschließend bereite ich gemeinsam mit einem anderen FÖJler und einer unserer Pädagoginnen das Programm für die Schulklassen vor, die uns am Vormittag besuchen.

Von 9:30 Uhr bis 12:30 Uhr unterstütze ich dann eine Kollegin bei der Betreuung einer dritten Klasse zum Thema Tiere im Winter. Wir teilen die Schüler zuerst in Gruppen auf und während ich mit meiner Gruppe verschiedene Überwinterungsstrategien von Tieren bespreche und ihnen die Felle von Wildschwein und Fuchs zeige, erklärt die Kollegin den anderen, welche Tierspuren sich in unserem Wald finden lassen und wie man sie unterscheidet. Nach 20 Minuten tauschen wir und dann geht’s endlich nach draußen. Die Kinder können es kaum erwarten!

Im Wald angekommen spielen wir mehrere Spiele. Zuerst das Igelspiel, bei welchem mehrere mit heißem Wasser gefüllte Filmdosen als Igel herhalten müssen. In Grüppchen bauen die Kinder Laubhaufen, welche ihre “Igel” im Winter warmhalten sollen. Mehrmals wird die Temperatur des Wassers gemessen und am Ende vergleichen wir den Temperaturabfall mit dem des Referenzigels, der die ganze Zeit draußen stand.

Welche Gruppe hat den wärmsten Laubhaufen gebaut? - Anschließend versetzen die Schüler*innen sich begeistert in die Rolle von Tieren, genauer gesagt in die von Eichhörnchen, und erhalten einige Nüsse, die sie in der Nähe verstecken sollen. Dann müssen sie nacheinander ihre Verstecke wiederfinden und hoffen, dass kein anderes räuberisches Tier (bzw. Kind) ihre Nüsse geklaut hat. Danach geht es zurück zum Ökowerk, wo wir die Klasse verabschieden.

Nach dem Aufräumen ist es um 13 Uhr Zeit für die Mittagspause, welche wir Mitarbeiter bei Sonnenschein alle gemeinsam draußen verbringen.

Um 14:30 Uhr geht es für meinen FÖJ-Kollegen und mich dann auch schon weiter mit der nächsten Gruppe. Diese kommt aus dem Schultz-Hencke-Heim, einer Einrichtung für nicht regelbeschulbare Kinder und Jugendliche. Gemeinsam mit unserem Jäger und Waldläufer begeben wir uns auf die Suche nach Fuchsbauten. Nachdem wir eine Weile durch Dornen und Gestrüpp geklettert sind, finden wir tatsächlich auch mehrere. Etwas erschöpft aber zufrieden erreichen wir gegen 16:30 Uhr wieder das Ökowerk. Die meisten anderen sind schon weg und auch wir machen uns jetzt auf den Heimweg.

Verena Fuchs
Baum Hand Canva
Verena Frosch Im Glas
Verena Kroeten

Seminare und FÖJ-Community

Ein besonderes Highlight während dieses aufregenden Jahres stellten auch die Seminarfahrten dar, die meine Seminargruppe und mich u.a. in die Sächsische Schweiz und an die Ostsee führten. Hier kam nicht nur Klassenfahrt-Feeling auf, sondern ich habe auch jede Menge zu Themen wie Nachhaltiger Lebensstil, ökologische Landwirtschaft und Ernährung gelernt oder aber auch Feuer machen ohne Feuerzeug ausprobiert (Spoiler: echt kompliziert). Durch all das neugewonnene Wissen fasste ich schließlich auch den Entschluss, mich vegetarisch zu ernähren und achte zusätzlich verstärkt darauf, meine Einkäufe regional und ökologisch zu gestalten. Doch nicht nur mein Umweltbewusstsein hat sich im FÖJ verstärkt. Das Jahr war auch sehr bedeutend für meine Persönlichkeitsentwicklung und vor allem habe ich viele neue tolle Leute kennengelernt.

Die FÖJ-Community ist total offen und herzlich und es gibt zahlreiche Aktionen, bei denen man mit Gleichgesinnten in Austausch treten, selbst Initiative ergreifen oder auch einfach gemütlich ein Bierchen (oder eine Limo) trinken kann. Es gibt ein komplexes Sprecher*innen-System, welches alle FÖJ-Teilnehmer*innen landes- und bundesweit vernetzt und umfassende Möglichkeiten für das eigene soziale und politische Engagement bietet.

Verena FÖJ Kollegen
Baumpflanzen Canva
Verena Fridays For Future Demo
Frau Baum Canva

Kurzum: Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr ist die ideale Möglichkeit, nach Schule, Ausbildung oder auch Studium unverbindlich ins Arbeitsleben reinzuschnuppern, Neues auszuprobieren, ganz viel über Umweltschutz zu lernen und vor allem massig Spaß zu haben! Vor der eigenen Haustür kann man oft noch viel mehr bewirken, als 9.000 Kilometer entfernt irgendwo in der Karibik.

Du hast jetzt Lust bekommen, dich zu bewerben oder zumindest noch weiter zu informieren? Dann schau doch mal auf den folgenden Webseiten vorbei!
Träger „Stiftung Naturschutz“...
Träger „Vereinigung Junger Freiwilliger“...
Träger „Jugendwerk Aufbau Ost“...
Einsatzstelle „Ökowerk Berlin e.V.“...

Deine Verena – studentische Praktikantin bei greenline-hotels.com

 

 

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